„WIR SUCHEN DIE PERLEN! Nicht einfach nur Mitarbeiter“
- 28. Juli
- 5 Min. Lesezeit
INTERVIEW · IM GESPRÄCH MIT THOMAS BECKER UND STEFFEN KRUSE

Herr Kruse — überall ist vom Fachkräftemangel die Rede. Wie erleben Sie die aktuelle Situation?
Steffen Kruse: Natürlich merken wir, dass es schwieriger geworden ist. Aber ich sage immer: Gute Leute gibt es nach wie vor. Die Herausforderung besteht darin, sie zu finden und für eine neue Perspektive zu begeistern. Viele qualifizierte Mitarbeiter sind bereits beschäftigt und suchen nicht aktiv nach einer neuen Stelle. Deshalb reicht es heute oft nicht mehr aus, eine Anzeige zu schalten und abzuwarten. Man sollte aktiv auf Menschen zugehen, Gespräche führen und Vertrauen aufbauen.
Herr Kruse, Sie sprechen oft davon, „Perlen zu finden“. Was meinen Sie damit?
Steffen Kruse: Ja, das sage ich tatsächlich oft. Wir suchen nicht einfach Mitarbeiter. Wir suchen die Perlen. Menschen, die motiviert sind, arbeiten wollen und Verantwortung übernehmen und zu einem Unternehmen passen. Aber genauso suchen wir die richtigen Unternehmen. Denn nicht jedes Unternehmen passt zu jedem Menschen. Die besten Arbeitsverhältnisse entstehen immer dann, wenn beide Seiten zueinander passen und bereit sind, aktiv zusammenzuarbeiten. Deshalb vermitteln und überlassen wir nicht einfach Personen. Wir bringen Menschen und Unternehmen zusammen.
Was macht gute Personalvermittlung und Arbeitnehmerüberlassung aus?
Thomas Becker: Zuhören. Viele denken, Personalvermittlung oder Arbeitnehmerüberlassung bedeuten, einen Lebenslauf weiterzuleiten und einen Mitarbeiter bereitzustellen. In Wirklichkeit beginnt unsere Arbeit viel früher. Wir wollen verstehen, wie ein Unternehmen arbeitet, welche Kultur dort gelebt wird und welche Persönlichkeit ins Team passt. Genauso möchten wir verstehen, was den Bewerber antreibt, welche Ziele er hat und was ihm wichtig ist. Erst wenn wir beide Seiten wirklich kennen, entsteht eine erfolgreiche Vermittlung, Arbeitnehmerüberlassung oder langfristige Zusammenarbeit. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bekommen nach einer erfolgreichen Überlassung einen festen Arbeitsvertrag. Das freut uns natürlich sehr, auch wenn wir wissen, dass wir einen guten Kollegen oder eine gute Kollegin abgeben und wieder auf die Suche gehen müssen. Das ist unser Job.
„Menschen. Chancen. Zukunft. Dafür stehen wir.“
Steffen Kruse, Geschäftsführer

Welche Rolle spielt der persönliche Kontakt?
Steffen Kruse: Eine entscheidende Rolle. Natürlich nutzen wir moderne Technologien, digitale Systeme und beschäftigen uns intensiv mit KI. Das gehört heute dazu. Aber wenn Menschen vor einer beruflichen Entscheidung stehen, möchten sie mit Menschen sprechen. Sie möchten Fragen stellen, Sorgen äußern und Vertrauen aufbauen. Eine Software kann Lebensläufe vergleichen. Aber sie kann nicht verstehen, was einen Menschen bewegt, welche Sorgen er hat oder welche Perspektive zu seinem Leben passt. Deshalb setzen wir bewusst auf persönliche Gespräche, Besuche vor Ort und den direkten Austausch. Nur wenn es wirklich nicht anders geht, setzen wir digitale Tools ein. Das kostet mehr Zeit, aber genau das ist uns wichtig. Ich glaube sogar, dass persönlicher Kontakt in Zukunft noch wichtiger wird, weil vieles andere digitalisiert wird.
Warum besuchen Sie Unternehmen regelmäßig vor Ort?
Thomas Becker: Weil man Unternehmenskultur nicht aus einer Stellenbeschreibung herauslesen kann. Wir möchten sehen, wie die Menschen miteinander umgehen, wie die Arbeitsplätze aussehen und welche Anforderungen tatsächlich bestehen. Das gehört auch zu unserer Pflicht als Personaldienstleister. Oft erkennen wir vor Ort Dinge, die für eine erfolgreiche Besetzung entscheidend sind. Der Arbeitsplatz muss nicht nur fachlich passen. Der Mensch muss sich dort auch wohlfühlen. Deshalb nehmen wir uns die Zeit, Unternehmen kennenzulernen, statt nur Stellenprofile zu lesen.
„...weil man Unternehmenskultur nicht aus einer Stellenbeschreibung herauslesen kann. " Thomas Becker, Geschäftsführer

Welche Herausforderungen gibt es bei der Personalsuche, die viele gar nicht sehen?
Thomas Becker: Eine ganze Menge. Viele glauben, ein Bewerber bewirbt sich und fängt dann einfach an. In Wirklichkeit stellen sich oft ganz praktische Fragen. Hat die Person einen Führerschein? Gibt es eine passende Busverbindung? Ist die Frühschicht überhaupt erreichbar? Wie lange dauert der Arbeitsweg tatsächlich? Wir haben schon häufig erlebt, dass fachlich alles gepasst hätte, der Arbeitsweg aber langfristig nicht machbar gewesen wäre. Dann suchen wir gemeinsam nach Lösungen: Busverbindungen, Fahrgemeinschaften oder andere Möglichkeiten. Denn wenn der tägliche Weg zur Arbeit dauerhaft nicht funktioniert, hilft die beste Einstellung am Ende nichts.
Was zeichnet JobService Baden besonders aus?
Steffen Kruse: Unser Team. Wir unterstützen uns gegenseitig, tauschen Erfahrungen aus und arbeiten eng zusammen. Personalvermittlung und Arbeitnehmerüberlassung sind kein Einzelkämpfergeschäft. Oft entstehen gute Lösungen erst, weil Kollegen miteinander sprechen und gemeinsam Ideen entwickeln. Diese Teamkultur spüren auch unsere Kunden und Bewerber.
Warum ist es heute teilweise so schwer, Menschen für eine Arbeitsaufnahme zu gewinnen?
Steffen Kruse: Das ist sicherlich ein sensibles Thema, aber wir erleben es in der Praxis. Viele Menschen möchten arbeiten und viele tun das auch mit großer Motivation. Das möchte ich ausdrücklich betonen. Gleichzeitig führen wir immer wieder Gespräche, in denen Bewerber sehr genau rechnen. Sie vergleichen ihr mögliches Nettoeinkommen mit den staatlichen Leistungen, die sie aktuell erhalten, und stellen fest, dass die finanzielle Differenz manchmal geringer ausfällt als erwartet. Das macht die Personalsuche für viele Unternehmen und auch für uns deutlich schwieriger. Ich bin der festen Überzeugung, dass sich Arbeit lohnen muss — nicht nur finanziell, sondern auch persönlich.
Wie gehen Sie mit solchen Situationen um?
Steffen Kruse: Wir versuchen, den Menschen die langfristige Perspektive aufzuzeigen. Es geht nicht nur um die nächste Lohnabrechnung, sondern um Berufserfahrung, Weiterbildung, Karrierechancen, Rentenansprüche und persönliche Entwicklung. Viele Bewerber erkennen im Gespräch, dass eine Beschäftigung langfristig deutlich mehr Chancen bietet, als sie zunächst vermutet haben. Genau deshalb sind persönliche Gespräche so wichtig.
Ist Überzeugungsarbeit heute wichtiger geworden?
Thomas Becker: Definitiv. Viele Menschen sind unsicher. Manche haben schlechte Erfahrungen gemacht. Andere fragen sich, ob sie den Schritt in einen neuen Job wagen sollen. Dann sprechen wir über Chancen, Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten. Wir begleiten Menschen oft über mehrere Gespräche hinweg und helfen ihnen dabei, die richtige Entscheidung zu treffen. In vielen Fällen unterstützen wir sogar bei ganz praktischen Themen wie der Wohnungssuche oder organisatorischen Fragen rund um den Arbeitsbeginn.
Was läuft in Bewerbungsprozessen häufig schief?
Steffen Kruse: Viele Entscheidungen dauern einfach zu lange. Wir erleben regelmäßig, dass wir gute Kandidaten vorstellen und dann vergehen zwei oder drei Wochen ohne Rückmeldung. Das Problem ist: Gute Bewerber haben heute meistens mehrere Möglichkeiten. Wenn Unternehmen zu lange warten, ist der Kandidat oft schon woanders unter Vertrag. Deshalb empfehlen wir unseren Kunden immer, schnell und verbindlich zu handeln.

IHR GEMEINSAMES FAZIT?
Thomas Becker: Gute Personalarbeit beginnt für mich mit Zuhören. Viele Unternehmen suchen heute Mitarbeiter und viele Menschen suchen eine berufliche Perspektive. Die Herausforderung besteht darin, beide Seiten erfolgreich zusammenzubringen. Dafür braucht es Erfahrung, Menschenkenntnis und vor allem Zeit. Wir erleben jeden Tag, dass die besten Lösungen dann entstehen, wenn Unternehmen, Bewerber und wir als Personaldienstleister offen und ehrlich miteinander kommunizieren. Dabei geht es nicht nur um Qualifikationen oder Lebensläufe. Es geht um Menschen, Erwartungen, Ziele und natürlich auch um Geld sowie die Frage, ob beide Seiten langfristig zusammenpassen. Genau deshalb setzen wir auf persönliche Gespräche, einen engen Austausch und eine partnerschaftliche Zusammenarbeit.
Steffen Kruse: Genau deshalb setzen wir bei JobService Baden auf persönliche Beratung, kurze Wege und eine enge Zusammenarbeit mit unseren Kunden und Bewerbern. Dabei ist es für uns zweitrangig, ob die passende Lösung am Ende eine direkte Personalvermittlung oder eine Arbeitnehmerüberlassung ist. Entscheidend ist, dass Unternehmen die Mitarbeiter finden, die sie wirklich brauchen, und Bewerber die Perspektive erhalten, die zu ihrem Leben passt. Durch unsere Erfahrung in der Personalvermittlung, der Arbeitnehmerüberlassung sowie unser Praxiswissen aus Logistik, Produktion und kaufmännischen Bereichen können wir Unternehmen flexibel unterstützen. Manchmal ist die direkte Vermittlung der richtige Weg. Manchmal hilft Arbeitnehmerüberlassung dabei, Menschen und Unternehmen zunächst kennenzulernen und daraus langfristige Arbeitsverhältnisse entstehen zu lassen. Beides hat seine Berechtigung. Natürlich werden digitale Prozesse, Automatisierung und Künstliche Intelligenz in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen. Das begrüßen wir auch, denn vieles wird dadurch einfacher und schneller. Aber am Ende treffen Menschen Entscheidungen mit Menschen. Eine Software kann Daten vergleichen und Prozesse beschleunigen. Sie kann aber nicht erkennen, ob ein Mensch in ein Team passt, welche Sorgen er hat, welche Ziele ihn antreiben oder warum ein Unternehmen genau zu ihm passen könnte. Das gelingt nur im persönlichen Gespräch. Deshalb werden wir auch in Zukunft Unternehmen besuchen, Arbeitsplätze kennenlernen, Bewerber persönlich begleiten und gemeinsam Lösungen finden. Und genau dafür stehen wir bei JobService Baden.



